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Delphine | Berichte über Delphine
 
 
Delfinarien - am Beispiel Nürnberg
 
Delfinarien - am Beispiel Nürnberg
 
Kleine Fische im Problemfeld Zoo ?
Dieser Artikel erläutert am Beispiel des Nürnberger Delphinariums, wie die Haltung von Delphinen zu bewerten ist und was dagegen unternommen werden kann. Die 1971 gegründete Einrichtung ist mit den Delphinarien in Duisburg, Münster und dem Heidepark Soltau von ursprünglich neun Delphinarien in Deutschland übrig geblieben.
Traurige Statistik
Von 32 Tieren, die seit 1971 im Nürnberger Delphinarium lebten, sind 21 eines unnatürlichen, frühzeitigen Todes gestorben. 22 der 32 Tiere waren Wildfänge, also frei geborene Tiere, unter denen sich auch 7 vom Aussterben bedrohte Guayana-Delphine befanden. Zurzeit leben in Nürnberg noch 7 große Tümmler (5 Wildfänge, 2 Nachzuchten).
Hohe Verluste bei Fang und Transport
Hinter jedem gefangenen Tier, das das traumatische Erlebnis des Fangs und den qualvollen Transport überlebt, verbirgt sich die mehrfache Anzahl von daran zu Grunde gegangenen Tieren. Die Beschaffung von Wildfängen spielt sich zudem in einer rechtlichen Grauzone ab. So kaufte Nürnberg 1991 trotz weltweiter Proteste zwei 1990 vor Kuba gefangene Delphine von einem umstrittenen Schweizer Delphinhändler. Die Tiere waren eine Zeit lang in dessen Delphinariumsbetrieb mit angeschlossener Diskothek untergebracht, um dann nicht mehr als Wildfänge zu gelten.
Enorme Tierarztkosten
Im Jahr 1998 konnte der Nürnberger Tiergarten nach seiner Betriebsabrechnung die Kosten des Delphinariums nur zu 48,9 Prozent aus Eintrittsgeldern decken. Über 1 Million DM mussten die Nürnberger Steuerzahler aufbringen. 40 % der gesamten Tierarztkosten des Tiergartens entfielen auf das Delphinarium.
Rechtfertigungen
Die hauptsächlichen Legitimationsversuche für die Gefangenschaftshaltung von Delphinen sind Bildung, Forschung und Zucht. Es muss nicht besonders betont werden, dass es sich in allen drei Bereichen um Scheinargumente handelt. Bei Delphinen, die in kleinen öden Betonbecken leben müssen, ist das Verhaltensspektrum auf ein Minimum reduziert. Die Unterhaltungsshows vermitteln nicht annähernd das Verhalten der Tiere in natürlichen Lebensräumen und gewachsenen Sozialverbänden.
Unter diesen Umständen macht auch die Forschung an solchen Tieren keinen Sinn. Sie könnte lediglich eine Verbesserung der Gefangenschaftshaltung zum Ziel haben, zur Erhaltung der Art kann sie jedoch nicht beitragen.
Schließlich ist der hauptsächlich gehaltene große Tümmler in seiner Art nicht gefährdet, muss also nicht nachgezüchtet werden. Zudem reichen die Nachzuchten in Europa nicht einmal für den Nachschub für Delphinarien aus, und es gibt keine Nachkommen, deren Eltern selbst Nachzuchten sind, so dass Wildfänge aus Sicht der Delphinarienbetreiber weiter unentbehrlich bleiben.
Zweifelhafte Image-Pflege
Seit das Nürnberger Delphinarium durch ein Bürgerbegehren unter Druck geraten ist, versucht es, u. a. durch ein Therapieprojekt für autistische und spastische Kinder sein Image aufzubessern. Doch es gibt derzeit keine Beweise für eine positive Wirkung von Delphintherapien. Aus Sicht der Tierrechte besteht auch kein prinzipieller Unterschied darin, ob die Delphine zu Showzwecken eingesetzt werden oder ob man die aufgrund der Gefangenschaftsbedingungen selbst verhaltensgestörten Tiere zu Therapeuten erklärt.
Dieselben Delphinarienbetreiber, die jetzt großherzig ihre Tiere kranken Kindern zur Verfügung stellen, sind nach Belieben ebenso schnell bereit, Delphine als dumm und gefährlich hinzustellen. Schließlich ist einer der beiden Wissenschaftler, die herausgefunden haben wollen, dass Delphine eher begriffsstutzig seien (es gelinge ihnen z. B. schlecht, Dreiecke von Vierecken zu unterscheiden) der Verhaltensforscher Lorenzo von Fersen in Nürnberg. Das für Delphinarienbetreiber unbequeme Image von der hohen Intelligenz und dem bewundernswerten Sozialverhalten der Delphine wird so dem jeweiligen Bedarf angepasst.
Widerstand der Menschen für Tierrechte Nürnberg
Seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus und des gleichzeitigen Ankaufs der Wildfänge Emy und Jenny 1991 engagiert sich der Verein »Menschen für Tierrechte Nürnberg« gegen das Delphinarium. Auf jeden Todesfall folgten Aktionen vor dem Tiergarten und in der Nürnberger Innenstadt, die auf die Leiden der Tiere hinwiesen und gegen die Einrichtung Position bezogen.
Nach dem Tod des Delphin-Weibchens Emy 1998, das seinem hinter eine Abtrennung geratenen Kind nachsprang und dort jämmerlich mit ihm ertrank, formierte sich in Nürnberg die Bürgerinitiative »Die Delphinbefreier«, die ein Bürgerbegehren zur Schließung des Delphinariums Nürnberg startete.
Zur Unterstützung dieses Bürgerbegehrens verstärkte der Verein Menschen für Tierrechte seine Öffentlichkeitsarbeit. Mit Hilfe zahlreicher Delphin - und Walschutz-Organisationen arbeiteten wir uns vertieft in dieses Thema ein und gewannen so detaillierte Kenntnisse über die Leiden der Delphine in Delphinarien, die hohe Verlustquote bei Fang und Transport und die gut funktionierende Delphinindustrie. Dieses Wissen konnten wir anlässlich des Bürgerbegehrens mit guter Resonanz an interessierte Medien sowie zahlreiche Mitmenschen weitergeben.
Im September 1999 haben die bayerischen Verfassungsrichter eine drastische Erhöhung der Hürden für Volks- und Bürgerentscheide für zulässig erklärt. Nun muss ein Bürgerbegehren nicht nur eine Mehrheit unter den Wählern, sondern in Gemeinden von mehr als 100.000 Einwohnern auch eine Zustimmung von mindestens 10 Prozent der Wahlberechtigten erhalten. Da sich ein solcher Anteil der Wähler bei Bürgerentscheiden erfahrungsgemäß nicht zum Gang in die Wahllokale motivieren lässt, hat das Bürgerbegehren nun keine realistische Erfolgschance mehr.
Der große Zuspruch aus der Bevölkerung zeigt jedoch, dass aufgrund der langjährigen, konsequenten Aufklärung durch die Medien bereits ein deutlicher Bewusstseinswandel angestoßen wurde. Die Zahl der Delphinarien geht weltweit zurück, da ein Großteil der Bevölkerung sie mittlerweile ablehnt: Alle 36 Delphinarien Englands wurden bereits in den 80er Jahren geschlossen. Auch Norwegen hat keine Delphinarien mehr. In Finnland, Schweden, den Niederlanden und Israel gibt es nur noch jeweils eine Einrichtung.
Trotz des Versuchs, sich durch den geplanten Bau einer 14 Millionen DM teuren Freiland-Anlage eine Art Bestandsgarantie zu erkaufen, wird diese Entwicklung zwangsläufig auch dem Nürnberger Delphinarium ein Ende setzen. Wir werden durch weitere Aufklärung und regelmäßige Veranstaltungen unseren Teil dazu beitragen.

Elisabeth Mederer und Petra Schidla
Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V.
 
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